ZEIT-Serie: Neue deutsche Nazis

Rechtsextremismus – Ausländerfeindlichkeit – Hass auf Fremde -Verfassungsfeindliche Parteien – Intoleranz – Nazis

Schon der Wortschatz, der bei der Berichterstattung über rechte Aktivitäten verwendet wird, offenbart, nicht nur Unwissenheit und mangelnde Reflexion. Er lässt auch erahnen, dass die Bekämpfung der Ursachen rechten Gedankenguts eine bloße Floskel, ein Feigenblatt der „wehrhaften Demokratie“, bleiben muss, wenn mensch die Opfer als „Fremde“ und „Ausländer“ abtut, denen sowieso maximal Toleranz zusteht – sofern sie nicht selbst kriminell sind, und wenn die Gefahr von rechts nur am Rande der Gesellschaft vermutet wird.

ZEIT-Serie: Neue deutsche Nazis

Die Wahrheit sieht freilich anders aus. Rechte Gewalt entsteht nicht spontan, ohne erkennbaren Grund. Es ist nicht so, dass die ganze Welt ein fröhliches akzeptierendes Miteinander ist, und es ein paar Bösewichte gibt die vollkommen anders ticken. Rassismus und andere Formen >gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit< lassen sich nicht binär, mit ja oder nein, messen. Vielmehr muss gefragt werden, wie rassistisch ist eine Gesellschaft, wie rassistisch ist der Mainstream, wie rassistisch ist die "demokratische Mitte"?

Studien wie die der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in den Medien oft als Studie zum „Extremismus der Mitte“* bezeichnet wurde, liefern ein erschreckendes Bild, dass jedoch nicht überrascht, wenn mensch nicht mit Kopfhörern und Ohrstöpseln durch Innenstadt und Großwohnsiedlungen geht. Das Medien-Echo auf solche Studien fällt mittelmäßig aus, gerade in den Boulevardmedien. Kein Wunder: Es gibt schlicht kein Publikum, das sich für das Thema interessiert. Wer hört schon gerne böse Worte über sich selbst? Vielmehr ist „der einfache Mann auf der Straße“ genervt vom ewigen Gerede über die bösen Nazis. Davon, dass ihm die Ausländer den Arbeitsplatz geklaut haben, davon schreibt keiner!

Auch die Reaktionen der Politiker sind mehr genervt als bestürzt. In der Regel folgen den Worten der Politiker keine Taten. Das Grundproblem – eine wirre Ideologie von Staatsgrenzen, Nationalität, Volk, Rasse, sozialem Stand und Heteronormativität – wird gar nicht betrachtet.

Dass „Naziparolen“ oftmals viel näher am allgemeinen Stimmungsbild sind, als das Gerede von Toleranz und Kampf gegen Rechtsextremismus, aus den „Parteien der Mitte“, traut sich keiner zu sagen. Wie verblendet der Blick auf die rechte Realität ist, lässt sich oft bereits auf den ersten Blick erkennen: Das typische Symbolbild, wann immer es um rechte Gewalttaten geht, bleiben die weißgeschnürten Springerstiefel. Wir wärs in Zukunft mal mit New-Balance Sneakers? Oder Billig-Schuhen von kik? Nein… da müsste zu viel erklärt werden.


Symbolbild: Symbolbilder aus den 90ern prägen
noch immer die Vorstellung von den sog. „Rechtsextremen“

Neue Anstätze?

Mit einer Reihe von Texten unter dem Titel >Neue deutsche Nazis< behandelt die ZEIT das Thema nun aus einer anderen Perspektive als der von 1999. Trotz schwankendem Niveaus, lässt sich grundsätzlich ein positives Fazit ziehen: Immerhin werden die neuen Erscheinungsformen der rechten Szene nun auch massenmedial thematisiert, und die Ursachen zumindest in Ansätzen hinterfragt. Damit macht die ZEIT freilich nur das, was antifaschistische Arbeit schon vor 10-15 Jahren getan hat. Aber immerhin.

Gute Mitte, böse Nazis – Patrick Gensing über die rassistische Grundstimmung

Lieber nicht über Neonazis schreiben – In einigen Teilen Deutschlands hat die hegemoniale Beherrschung ganzer Kleinstädte durch Nazis erstaunliche Ausmaße angenommen. Über die Aktivitäten wird lieber geschwiegen, auch aus Angst vor Rache.

Neue Deutsche Nazis – Wie die Nazis in Teilen Deutschlands den Anschluss an die Mitte wiederfanden.

weitere…

*Ein „Extremismus“ der Mitte wäre – nach der Theorie, dass Extremismus Gewaltbereitschaft bedeutet – wohl eher die gewaltsame Verteidigung des herrschenden Zustands, was, je nach Land, mehr oder weniger vom Staat/Polizeiapparat betrieben wird. Die Studie beschäftigt sich viel mehr mit rechten Einstellungen, die deutlich vom offiziellen Staatskurs „Toleranz, solange das Geld stimmt“ abweichen. Auch hierzu gibt es freilich unterschiedliche Ansichten: >Wikipedia